#HeForShe: Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt

Holger Vogel, Unternehmer aus Bonn und Initiator der women&work, ist neuster Unterstützer der weltweiten Solidaritätskampagne #HeForShe.
Die Kampagne ruft auf, sich als „Agent of Change“ für die Gleichstellung der Geschlechter und die Beendigung aller Gewalt und Diskriminierungen gegenüber Frauen und Mädchen einzusetzen. In Deutschland haben sich bereits 14.015 #HeForShe-Unterstützer/innen registriert (Stand 11.05.2016).

Holger Vogel begründet sein Engagement wie folgt: „Die Umsetzung der Gleichberechtigung ist auch Männersache. Deswegen unterstütze ich #HeForShe“.

Das Interview mit Holger Vogel finden Sie hier auf der Webseite des Deutschen Komitees.

Das Interview - ein Auszug

Was hat Sie ganz persönlich dazu bewegt, sich für die #HeForShe Kampagne stark zu machen?
Als Veranstalter der women&work erlebe ich nahezu tagtäglich, dass Frauen immer wieder die Chance genommen wird, sich gleichberechtigt in den Unternehmenswelten zu entfalten. Auch gesetzeswidrige Diskriminierungen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Die Charta der Vereinten Nationen ist für mich das wichtigste Dokument gesellschaftlichen Zusammenlebens und Grundlage meines ethischen und unternehmerischen Handelns. Ich finde es selbstverständlich, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in allen beruflichen und privaten Lebensbelangen agieren. Es gibt viel zu wenige Männer, die sichtbar für neue Rollenbilder, Familienmodelle und genderfaires Wirtschaften werben. Die Umsetzung der Gleichberechtigung ist auch Männersache. Deswegen unterstütze ich #HeForShe.

Integrieren Sie die Stärkung von Frauen in Ihre Arbeit? Warum ist Ihnen das wichtig?
Wir haben das Format der women&work ins Leben gerufen, um eine sichtbare Plattform zu schaffen, Frauen den Rücken zu stärken und um die Vernetzung von Frauen untereinander aber auch mit den Unternehmen zu initiieren. Durch die ganzjährigen kostenfreien Webinarangebote fördern wir zusätzlich das Empowerment von Frauen. Das ist mir bzw. uns als Team sehr wichtig, weil Frauen sehr häufig das Insiderwissen fehlt hinsichtlich der Aufstiegskompetenzen oder förderlicher Netzwerke. Dadurch geraten sie oft in strategische Wettbewerbsnachteile, die sich negativ auf ihre Karriere auswirken können.

Welche grundsätzlichen Veränderungen sind Ihrer Meinung nach notwendig, damit die Arbeitswelt bzw. Unternehmen für weibliche Fachkräfte attraktiv und dadurch zukunftsfähig wird?
In dem Moment, wo Frauen sich und ihre weiblichen Stärken gleichwertig und gleichberechtigt in Entscheidungs- und Arbeitsprozesse einbringen können, werden Arbeitswelt und Unternehmen für sie attraktiv. Wir können das sogar in Zahlen messen, denn vor zwei Jahren haben wir eine bundesweite Studie durchgeführt: „top4women – Wünsche und Anforderungen von Frauen an potenzielle Arbeitgeber“. 2.997 Frauen aus Deutschland haben teilgenommen. Für 98,6 % war das „diskriminierungsfreie Betriebsklima“ die wichtigste Anforderung, sehr dicht gefolgt von der „kollegialen Zusammenarbeit“ (97,8 %) und dem Faktor „Anerkennung“ (95,7 %).

Was wir also brauchen ist endlich ein Mindset-Change in Corporate Germany, denn wir schaden unserer Zukunftsfähigkeit – und das meine ich nicht nur auf wirtschaftlicher, sondern auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene – wenn wir 50 Prozent der Bevölkerung weiterhin konsequent aus Entscheidungsgremien ausklammern und nicht die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Frauen ihr Potenzial ungehindert einbringen und entfalten können.

Studien zeigen zum Beispiel, dass 80 Prozent aller Kaufentscheidungen von Frauen getroffen werden. Wenn Unternehmen Frauen nicht gleichwertig in allen Unternehmensbereichen und Hierarchien berücksichtigen, ignorieren sie schlicht einen wesentlichen Teil ihrer potenziellen Käufergruppe. Aber auch in Innovationsprozessen wirken sich einseitige Sichtweisen negativ auf Produkt- und Dienstleistungsentwicklungen aus. Der weiße Mann Mitte 50 hat nun einmal völlig andere Erfahrungs- und Wertehaltungen als eine junge Frau Anfang 20. Es gibt genügend – wirtschaftliche – Gründe, die für Gender Diversity sprechen. Wir sollten endlich anfangen, diesen Gründen Taten folgen zu lassen!

Das Interview wurde im Original auf der Webseite von UN Women Nationales Komitee Deutschland veröffentlicht.